Genau dieser Frage muss sich der Spieler in Splinter Cell: Double Agent stellen. Aber fangen wir von vorne an: Spielerisch hat sich auch in Double Agent nicht allzu viel geändert. Sam kann ein paar neue Manöver, wie zum Beispiel schwimmen. Hervorragend animiert gleitet er durchs Wasser und kann sogar durch dünne Eisschichten seine Gegner in die Fluten reißen und ihnen entweder das Genick brechen, oder einen tödlichen Stoß mit dem Messer geben. Des weiteren kann er sich an einigen Rohren oder Balken kopfüber abseilen und ahnungslose Gegner von oben packen. Apropos packen: Wenn Sam sich an eine Wand drückt und ein Gegner in Armlänge kommt, kann er diesen zu Boden ringen und sie verhören, bewusstlos schlagen, oder – wie könnte es anders sein – eiskalt das Genick brechen. Sehr cool: Wenn Sie einen Gegner verhören und dieser nicht die passenden Antworten parat hat, hilft Sam mit ein paar leichten Schlägen auf den Hinterkopf nach.
Ansonsten hat sich nicht viel getan im Splinter Cell-Universum. Sam hat nach wie vor Sturmgewehr, Pistole, Kampfmesser und allerlei technischen Firlefanz im Gepäck. Dazu zählen wie gehabt Minikameras, Gummigeschosse, Teaser und sein Nachtsichtgerät mit Restlichtverstärker, Wärmebildkamera und Magnetsicht.
Die Entwickler von Splinter Cell: Double Agent haben bei den Sichtbarkeits- und Geräuschanzeigen sowie bei der Lebensenergieanzeige ein wenig gespart. Das kann man positiv als auch negativ bewerten – positiv ist, dass jetzt nicht der ganze Bildschirm mit eben diesen Anzeigen vollgestopft ist, negativ, dass Sie jetzt nur noch an einem Lämpchen an Sams Anzug ablesen können wie gut/schlecht Sie zu sehen sind. Leuchtet das Ding grün, müsste ein Gegner Ihnen schon auf den Fuß treten, um zu merken, dass Sie da sind, gelb heißt so viel wie: Sie sind sichtbar, rot bedeutet, dass Sie bereits entdeckt worden sind.
Wie schon erwähnt fehlt auch der Lebensbalken vom Sam. Den hielten die Entwickler offensichtlich nicht mehr für nötig, da Sam seine Gesundheit sowieso selbstständig regeneriert nachdem er sich ein wenig ausgeruht hat. Splinter Cell-Veteranen sollten deshalb gleich im größten Schwierigkeitsgrad anfangen.
An dieser Stelle möchte ich Sie auf ein großes Manko von Splinter Cell: Double Agent aufmerksam machen. Gleich vorweg: Splinter Cell: Double Agent wurde von zwei verschiedenen Entwicklerteams entwickelt. Das eine, was sich schon für Splinter Cell und Chaos Theory verantwortlich gezeigt hat, hat die alten Konsolen mit dem Spiel beliefert und das andere hat die XBox360- und PC-Version entwickelt. In den verschiedenen Versionen machen sich besonders in den ersten beiden Levels gravierende Unterschiede breit. Das erste Level zum Beispiel ist in der PS2-Variante deutlich länger – inklusive COOP-Elemente mit einem anderen NSA-Agenten und einem verständlicherem Intro. In Double Agent für den PC ist von den COOP-Elementen nichts zu merken, bis auf, dass Sie einmal Ihrem Kollegen über den Zaun helfen, dieser dann verschwindet und dann ziemlich unspektakulär erschossen wird. Zum Intro: Auf dem PC erfährt man allenfalls, dass Sam einen geliebten Menschen verloren hat und dass er deshalb einen Undercover-Einsatz annimmt. In der PS2-Variante erfährt man dann, dass Sams Tochter von einem Betrunkenen überfahren wurde – Neulinge wissen gar nicht, dass Sam eine Tochter hat. Im zweiten Level findet man sich dann im Gefängnis wieder und beginnt sofort mit dem Ausbruch zusammen mit dem JBA-Mitglied, Jamie Washington. Auch hier erfährt man nach einem Blick auf die PS2-Varinate, dass das andere Entwicklerteam sich für den Gefängnisaufenthalt deutlich mehr Mühe gegeben hat. Dort muss man nach und nach erst das Vertrauen zu dem Terroristen aufbauen, bevor man mit dem Ausbruch loslegen kann.
Aber genug genörgelt. Kommen wir zu Grafik: Die ist, mal wieder, bombastisch – gute Hardware vorausgesetzt. Wasser schimmert realistisch im Sonnenlicht, Wände, Böden und Decken haben verschiedene Farbtiefen, Risse oder Flecken und sehen so real aus, wie man es bisher aus keinem anderen Spiel gesehen hat und Sonnenuntergänge könnte kein Fotograph besser treffen. Das tolle an Splinter Cell: Double Agent ist, dass Sie von dieser Mördergrafik auch etwas mitbekommen, denn im Gegensatz zu Splinter Cell, Pandora Tomorrow und Chaos Theory spielen viele Levels nicht bei Nacht in irgendwelchen abgedunkelten Hochsicherheitstrakten, sondern am helllichten Tag in weitläufigen Außenarealen.
Ohne die Spannung des Spiels vorwegnehmen zu wollen: Sie werden an verschiedenen Stellen im Spiel vor die Wahl gestellt, ob Sie die moralisch richtige Entscheidung treffen und somit der NSA einen Gefallen tun, oder ob sie das Vertrauen der JBA vergrößern, zum Beispiel einen Unschuldigen töten und damit Vertrauen bei der NSA verlieren. Ein kleines Beispiel: Nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis müssen Sie der JBA Ihre Loyalität beweisen, indem Sie einem Unschuldigen, der mit einem Knebel im Mund und auf den Rücken gefesselten Händen, wimmernd, in den Kopf schießen. Tun Sie es, ist die JBA zufrieden mit Ihnen und Sie gewinnen Vertrauen bei der JBA, verlieren es allerdings bei der NSA. Wenn Sie den Mann nicht töten, verhält es sich umgekehrt, wobei der Mann trotzdem erschossen wird. Sinkt das Vertrauen bei einer der beiden Organisationen auf Null, ist Ihr Einsatz gescheitert. Egal wie Sie sich entscheiden – es wirkt sich unmittelbar auf den Verlauf und auch das Ende des Spiels aus. Sie können entscheiden, ob Sie am Ende als unbekannter Held, als zwielichtige Gestalt oder als flüchtiger Terrorist vom Feld gehen.
Solche Entscheidungsmomente sind nicht nur unheimlich cool gemacht, sondern erhöhen den Wiederspielwert zudem noch drastisch.
| Fazit: Splinter Cell: Double Agent ist ein absolutes Top-Spiel. Sowohl grafisch, als auch spielerisch setzt Double Agent Maßstäbe und setzt die Splinter-Cell-Serie gut fort. Einziges Manko ist die PC- und Xbox360-Variante, die besonders in den ersten zwei Missionen etwas schwächeln. Aber ansonsten kann ich eine absolute Kaufempfehlung aussprechen. |